Sunday, December 7, 2014

Im 19. Jahrhundert war es eine Ehre für die Kunden einer Schweizer Bank zu arbeiten

Dieser  Satz stammt aus einem Interview, welches  Hans Vontobel, Ehrenpräsident der Vontobel Gruppe  vor einigen Tagen gegeben hat.  Ebenso inspirierend sind die Auszüge aus Claude Bauman‘s Buch über Robert Holzach  ehemaliger Verwaltungsratspräsident der UBS.  Mein erster Gedanke war, eigentlich wüssten wir was richtig wäre.  Ich möchte deshalb hier einige Punkte aufgreifen.


Der Banker muss dienstleisten (Robert Holzach)

Dies sagt sowohl Holzach wie Vontobel.  Hier geht es in erster Linie darum, dass ein Banker es sich zur zentralen Aufgabe macht, die Bedürfnisse der Kunden zu befriedigen.  Die zentrale Frage ist nicht, was eine Dienstleistung für einen unmittelbaren Ertrag abwirft.  Hierzu Hans Vontobel „ Die grösste Fehlbeurteilung unserer Zeit ist, nur den materiellen Erfolg zu sehen.“  Der Dienstleistungsgedanken geht bei Robert Holzach noch weiter. Der Mensch stand bei ihm im Mittelpunkt.  Dies bezog sich auf Kunden wie  Mitarbeiter  aber vor allem auch auf die Menschen, zu welchen die Bank keinen unmittelbaren Bezug hat.  Genau letzteres wäre heute umso wichtiger. Die Finanzmärkte sind z.B. viel globaler und komplizierter geworden.  Es wäre im ureigenen Interesse der Banken mitzuhelfen, dass jedermann  und jedefrau die Märkte besser versteht.  Wenn der Kunde bereits beim Kundenberater ist und Geschäfte tätigen will, ist es zu spät und den Kunden Dokumente im Umfang eines Romans unterschreiben zu lassen der falsche Weg. Möglicherweise ist man mittlerweile wieder davon weggekommen in erster Linie an die Erträge, statt an die Kundenbedürfnisse zu denken.  Leider geht es heut bei der Interaktion mit dem Kunden vielfach darum, der Compliance Genüge zu tun und einmal mehr geraten die effektiven Kundenbedürfnisse in den Hintergrund.

Robert Holzach

Langfristigkeit ist wichtig (Robert Holzach)

Die meisten, die bei einer Bank Budgetverantwortung tragen, werden hierfür nur ein müdes Lächeln übrig haben.  Ist es doch so, dass regelmässig gegen Ender Jahr oder schon etwas vorher die Budgetkürzungsrunden daher kommen.  Dies ist vor allem bei den börsenkotierten Banken so, da natürlich die Erfolgsrechnung einen Einfluss auf den Aktienkurs hat und dieser so denkt man, auf das Vertrauen von Kunden in die Bank. Hmm, möglicherweise waren es in Vergangenheit andere Aspekte als diese, welche das Vertrauen in Banken geschmälert haben. Die aufgrund von Budgetkürzungen gestrichenen Aktivitäten und Projekte werden dann vielfach zu einem späteren Zeitpunkt mit neuem Budget wieder aufgenommen bzw. wieder bei null begonnen, nur um sie dann gegen Ende Jahr teilweise wieder zu sistieren.


Damit einem Banker und Vorgesetzen vertraut wird, muss derselbe an sich glauben, sich aber regelmässig hinterfragen und an sich zweifeln (Hans Vontobel)

Es scheint, dass es einige Top-Banker gibt, die das Vertrauen innerhalb und ausserhalb der Bank schon längst verloren haben.  Da die Fähigkeit an sich selbst zu zweifeln nicht vorhanden zu sein scheint, wird dies  von denselben wohl gar nicht erkannt und das Trauerspiel  wird sich noch weiter in die Länge ziehen.  Wie es geht, hat für mich Ossi Grübel eindrücklich gezeigt nach dem zwei Milliardenverlust der UBS. Der Verwaltungsrat wollte, dass er noch einige Monate bleibt, Ossi war es sofort klar, dass er die Verantwortung übernehmen und unmittelbar zurücktreten muss. Zur Bankenführungselite noch ein weiteres Zitat von Hans Vontobel: „Die heutigen Entscheidungsträger sind keine guten Lehrmeister für die nächste Generation“

Hans Vontobel


Ich komme zurück auf den Titel dieses Blogposts. Ist es auch heute noch eine Ehre für eine Bank zu arbeiten und Kunden zu dienen? Für mich persönlich war es das, als ich 1990 aus Überzeugung meine Bankkariere bei der UBS gestartet habe und ist es bis heute immer geblieben. Liebe Bankerkollegen denkt daran, andere zu ändern ist praktisch unmöglich. Ihr könnt jedoch selbst mit gutem Beispiel vorangehen und andere mitreissen. Es ist schwierig aber es ist möglich. Dies gilt für alte Werte aber auch für neue Denkweisen und Trends. Go for it!  An alle, die sich Bankenbashing zum Hobby gemacht haben, ein nicht unwesentlicher Teil war/ist gerechtfertigt, eine differenzierte Betrachtungsweise wäre hier jedoch wichtig und auch zielführender 



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