Friday, January 16, 2015

Finance 2.0: Eine Studentin hat mich im Rahmen ihrer Bachelorarbeit zu Social Media im Banking befragt

Im Rahmen ihrer Bachelorarbeit untersucht diese Studentin, den Einsatz von Social Media im Banking. Sie hat verschiedene Banken gefunden, die Social Media bisher noch gar nicht einsetzen. Entsprechend wollte sie wissen, wie denn die Zukunft für diese Banken aussehe und micht generell zu Chancen und Zukunft von Social Media im Banking befragt. Hier meine Anwort. 



Zuerst ist es mal wichtig das Big Pic zu sehen und Social Media nicht zu separieren. Finance 2.0 ist der Begriff, der mir am besten gefällt. Twitter, Facebook und die übrigen Social Media, Enterprise Solutions, Blogs, Apps, Gamification, Cloud, Big Data usw. sind als Ganzes zu sehen. Übergeordnet ist das Wort sozial. Es geht in erster Linie um Interaktion, um Austausch, darum Kundenbedürfnisse zu erkennen und zu befriedigen. Ist das nicht erkannt und das ist es wohl von keinem Top Management einer Schweizer Bank, kann man viel Geld investieren und es bringt relativ wenig. Auch geht es darum top down eine Social Media, eine Finance 2.0 Kultur zu schaffen. Das braucht alles Zeit. Es ist genau dieses langfristige Denken, wie es Robert Holzach gem. seiner Biographie so schön erwähnt hat, welches fehlt. Man versucht jetzt Business Cases zu erstellen, die sich irgendwie kurz bis mittelfristig rechnen. Das führt dazu, dass man nicht das langfristig Richtige macht, sondern eben jenes wo man irgendeinen Ertrag rechnen kann.


Die Banken, im Speziellen die kleinen Banken, haben das Problem, dass die Margen sinken, die Kosten steigen und die Offshore Kunden abwandern. Aus Kostengründen können sie in entfernten Ländern, den BRICS z.B. nicht onshore sein und die Kundengewinnung ist so schwierig. Sie ersticken in Compliance. Es fehlt an Sympathie und an Vertrauen bei Kunden und potenziellen Kunden. Hierfür bietet Social Media Lösungsmöglichkeiten, für tiefere Kosten, bessere Kundenbeziehung, weniger Papierkrieg und um Kunden zu erreichen, die man mit herkömmlichen Mitteln nicht erreicht. Es geht nicht schnell und es ist nicht einfach, nur gross andere Optionen haben die kleineren Banken nicht. Den kleinen Banken empfehle ich ein Schritt für Schritt Vorgehen. Es muss nicht zwingend viel Geld kosten.


Bankgeheimnis und Compliance macht Social Media Aktivitäten nicht unbedingt einfach, Lösungen können aber gefunden werden wenn man will. Eine zentrale Schwierigkeit ist, dass die Leute, die Social Media vorantreiben müssten z.T. genau die sind, die sich vor ein paar Jahren noch strikt geweigert haben z.B. ein Facebook Profil zu eröffnen. Es ist etwa so wie wen man den Leiter Marketing morgen zum Börsenhändler machen würde. Er wäre völlig verunsichert und hätte keine Ahnung was er machen soll. Um an der Börse erfolgreich zu werden, muss man eigene Erfahrung sammeln. Genau dies gilt auch für Social Media. Hier ist das Risiko für die Banken, die den Zug verpassen. Es gibt kein fix fertiges Modell, es muss für die Bank angepasst sein. Entsprechend braucht es Erfahrung und eine andere Kultur. Dieser Aufbau braucht Zeit und hier ist das Risiko. Ein Twitteraccount ist schnell eröffnet und eine Finance 2.0 Software schnell eingekauft, aber das macht noch lange keine Digitale Bank.


 Zum Überleben ist der richtige Einsatz von Finance 2.0 inklusive Social Media zentral. Alle Banken, die überleben werden dies haben. Vor 10 Jahren gab es auch noch diverse Privatbanken, die kein E-Banking hatten und überzeugt waren, dass sie es nicht brauchen. Heute hat jede ein E-Banking. Wir werden aus meiner Sicht eine ähnliche Entwicklung sehen wie bei der Photographie. Kodak hat auch nicht damit gerechnet, dass ihr Business völlig zusammenbricht. Aktuell sehen wir nur die Spitze des Eisbergs. Wer sich nicht jetzt schon damit beschäftigt wird chancenlos sein, wenn dann der ganze Eisberg auftaucht.



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